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Archiv für den Monat November 2014

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Bei meinem letzten Frankfurt-Besuch hab ich mich schwarz geärgert. Darüber, dass ich nicht schon viel früher mal zur „Kleinen Anna“ gegangen bin.

So oft hatte ich mir das vorgenommen. Und so oft hab ich es irgendwie verpennt. Aber – wie der Zufall es manchmal so will, haben wir beim letzten Mal ganz in der Nähe von Anna gewohnt und sind an einem Morgen zu ihr in die Mainzer Landstraße 111 zum Frühstück gegangen. Und wisst ihr was? Es war der Hammer! Nicht nur das Essen – es gibt eine Unmenge an Auswahl und darüber hinaus auch noch mehr, denn Antje, die Inhaberin der kleinen Anna, macht Dir Dein Essen so, wie Du’s gerne hättest. Ist doch völlig Banane, was auf der Karte steht. Hauptsache es schmeckt Dir.
Achso – vielleicht sollte ich mal kurz erklären was es mit diesem Mega-Frühstück auf sich hat: Brot. Punkt. Leckeres, ehrliches Steinofenbrot. Getoastet. Mit Aufstrichen und Belägen wie man es sich im Traum nicht ausmalt. Quasi der Vorläufer des Panini. Nur viiiiiiiiiiiiiiiel besser!
Natürlich macht Antje alle (gefühlte 50) Aufstriche selbst, ist ja klar. Von Aubergine, über Humus bis hin zur Grüne-Soße-Creme findet man alles was was das Herz begehrt. Unsere Favoriten an diesem Morgen: Rührei mit Frankfurter Grüner Soße und Ruccola für meinen Mann, Auberginencreme mit Ruccola und Ziegenkäse für mich (womit wir gleich beim ersten Sonderwunsch wären, da der Feta, der laut Karte vorgesehen war, nicht schwangerenfreundlich war – „wir haben hier nur echten Fetakäse, nicht so einen Fraß, der man im Supermarkt bekommt“ – das ist Antje. Nur für’s Protokoll: zweiter Sonderwunsch waren die Erdbeeren, die so lecker auf dem Tresen rumstanden und eigentlich für was anderes gedacht waren, aber auch das war kein Problem).

Und Antje – das ist ne echte Powerfrau! Diese Wahnsinns-Energie, die sie hat, die merkt man gleich wenn man ihren Laden betritt. Und dabei ist sie noch so herzlich und man hat gleich das Gefühl Willkommen zu sein um sich hinzusetzen und sich satt zu essen. Und ich kann nicht umhin euch Antje vorzustellen – denn sie ist einfach der Knaller! Ich habe selten Menschen erlebt, die so offen mit Dingen umgehen, über die sich normalerweise ausgeschwiegen wird. Aber lest selbst. ich bin ganz verliebt und ihr bestimmt gleich auch!

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Antje, wieso heisst denn Dein Laden wie er heißt? Die Atmosphäre ist so persönlich, da erwartet man, dass der Laden nach Dir benannt ist… ist er auch?
Hey hey! Kleine Anna heisst nichts anderes  als Antje  im Holländischen bedeutet das  „tje“ klein also Antje (ich) und Kleine Anna sind einunddasselbe, Kleine Anna hört sich aber schöner an.

Warum machst Du das was Du machst? Und überhaupt, erzähl doch mal ein bisschen über Dich. Ausserdem bis Du Mutter von 5 Kindern – wie schaffst Du denn das alles?
Irgendwas muss ich ja machen! Also woll’n mal seh’n… ich 44 Jahre, 17 Jahre verheiratet gewesen, 4 Kinder bekommen die jetzt im Alter von 22, 21, 18 und 10 Jahren sind. Dann festgestellt das ich so mit diesem Mann nicht weiterleben kann, Scheidung. Ein Kind Drogenabhängig, der 18 Jährige – mit allem was so dazugehört….
In der Zeit hat mir die Anna mit all ihren Menschen sehr viel Halt gegeben. Meine Nachbarin prophezeite mir, das der Zug für mich mit, damals fast 40 und 4 Kindern abgefahren wäre… Na gut, dachte ich ist auch irgendwie o.k., obwohl mir so’n bisschen Sex schon fehlen würde. Naja, traute Zweisamkeit, Essen gehen und so weiter auch. War aber nicht so. Mein Liebster kam eines Tages in die Anna. Ich empfahl ihm die Möhren-Curry-Creme mit Schafskäse und seitdem ist er auch nicht mehr weggegangen.
Dann schwanger geworden mit Zwillingen. Bei der Vorsorgeuntersuchung festgestellt, das ich Gebärmutterhalskrebs habe – sofort OP! Jetzt alles gut! Fruchtwasseruntersuchung- erst ein Mädchen verloren, zwei Wochen später die Zweite. Ganz schlimme Zeit – auch hier hat mir die Anna besser geholfen als jeder Seelsorger oder Therapeut. Naja  und jetzt haben wir doch noch ein kleines Mädchen bekommen – Marlene!
Obwohl ich feststelle, daß es eine ganz andere Sache ist ob man mit 20 oder 40 Kinder bekommt. Aber ich werde von einer Afrikanischen Tagesmutter unterstützt. Was Besseres hätte mir und dem Kind nicht passieren können.
Die anderen Kinder Lukas (22) wird nach Mastrich gehen um Kreativtherapeut zu werden, Michel (21) ist Zimmermann geworden, Finn (18) hat jetzt seine dritte Entgiftung hinter sich, war lange in Therapie und ist heute in eine Betreute WG gezogen. Er ist auf einem guten Weg. Theo (10) ist in der 5. Klasse, ist unglaublich aufgeregt und ist der festen Überzeugen, dass ich ihn mit Brokkoli umbringen möchte. Er isst am liebsten Nudeln mit ohne nix.
Also sind alle nicht mehr so klein.
Ich mach eine Sache nach der anderen werde nie fertig und renn immer allem hinterher. Dann sag ich mir immer anderswo ist anders Scheiße – also weiter… Ausserdem kann ich Dinge gut annehmen und akzeptieren, das hilft mir auch.

Wow – bei all dem brauchst Du aber auch mal ne Auszeit, oder? Was macht Dich glücklich und wie kommst Du mal runter bei all dem Trubel?
Ich bin glücklich wenn ich im Garten arbeiten kann, Dinge erschaffen, machen – das find ich gut. Leckeres Essen, am liebsten zusammen mit meinen besten Freunden, macht mich auch glücklich. Auch über ein leckeres Stück Schokolade kann ich mich freuen.

Was ist denn Dein heisser Tipp für alle, die in die kleine Anna kommen? Hast Du einen Lieblings-Aufstrich?
Irgendwie bin ich auf der Möhren Curry Creme hängen geblieben, die Tomatenbutter mit Mozzarella und Chili find ich ganz lecker und die in Balsamico marinierten Zwiebeln find ich auch ganz toll.

Wie oft wechselst Du denn das Programm?
Bist jetzt haben wir eine Creme aus dem Sortiment genommen- die Radicchiocreme obwohl die auch ihre Fans hatte ansonsten haben wir noch dasselbe Programm wie vor 5 Jahren allerdings sind ein paar Cremes dazugekommen.
Wir haben saisonal mal eine Bärlauchcrem oder grüne Soße. Im Herbst gerne auch Feigen mit Schafskäse und rohem Schinken. Tatsächlich müsste ich mal wieder eine Neue machen. Ich häng halt immer hinterher…

Ich kann mir vorstellen, dass es in so einem Laden immer ne Geschichte gibt. Hast Du eine Lieblingsstory?
Eine tolle Geschichte kann ich Dir nicht erzählen, es sind die vielen kleinen Unaufgeregten, die jeden Tag erzählt werden- wie zum Beispiel eine neue Liebe, eine Schwangerschaft, eine doofe Kollegin mit viel zu hohen Schuhen in denen sie nicht laufen kann, Gewichtsprobleme, wo eigentlich keine sind, die Nachbarin, die jeden Morgen ihren Kopf in die Tür steckt und: “Haste Kuchen“ brüllt, Die „Hells Angels“ Mitglieder, die Jasmintee trinken und Vollkornbrot essen oder aber auch ganz viele Andere die von ihrem Wochenende, dem Mann, der Frau oder den Kindern erzählen, die in den Ferien ihre Kinder mitbringen und vorstellen.
Mir war bis zu dem Zeitpunkt nicht bewusst, wie viele Menschen nur in Frankfurt arbeiten aber nicht dort leben. Mir hat mal jemand gesagt, dass man eine Stadt über seine Gastronomie kennenlernt und wir waren ein Zuhause für ihn. Er schreibt uns heute noch Urlaubskarten. Viele verabschieden sich bei uns , wenn sie wieder die Stadt verlassen – sehr schön! Mein Nachbar sagte zu Beginn einmal zu mir: das gibts doch garnicht, ich hab fast 30 Jahre mein Studio hier und kenn niemanden. Du bist gerade mal 3 Monate hier und kennst alle. Jaja, so ist das wohl – ich quatsch halt gerne und bin immer neugierig was die andern so machen.

Boah, Antje – was für ein Leben! Ich danke Dir für Deine Offenheit und freu mich schon jetzt auf meinen nächsten Besuch bei Dir – dann mit Babies!

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Fotos: http://www.kleineanna.de

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Und zack – da isses. Weihnachten. Wie immer viel zu schnell und überraschend. Noch überraschender ist für mich allerdings die Vorweihnachtszeit. Vor allem in diesem Jahr. War nicht eben noch Sommer? Und nu? Ist es draussen nicht immernoch viel zu schön?
Der 1. Advent ist nur noch 6 Tage hin und so richtig kommt die Weihnachtsstimmung hier nicht auf. Was auch daran liegen mag, dass auch Weihnachten hier in diesem Jahr irgendwie anders ist als sonst. Normalerweise stehe ich ab dem Freitag vor dem ersten Advent für 3 Tage in der Küche, backe Kekse was das Zeug hält, der Stollen ist schon seit einer Wochen am Werden und die Wohnung ist tip top im Weihnachtsmodus. In diesem Jahr nicht. Hier gibt es in diesem Jahr keine Weihnachtsdeko, keinen Adventskalender und zum 1. Advent auch keine Kekse. Aber ich habe eine Entschuldigung: wir ziehen um. Da darf man doch ein bisschen weihnachtsschludrig sein, oder?
Was aber in keinem Fall fehlen darf, auch wenn drumherum das größte Chaos ausbricht, ist der Weihnachtsstollen. Und schwupp ist dann doch Weihnachten. Mit einer Kerze, einem heißen Kakao und einem Stück saftigen Stollen (am besten mit ganz viel Butter bestrichen bzw. muss ich wohl schon von belegt sprechen).
Zugegeben, auch hier war ich etwas schludrig – normalerweise hätte der schon seit mindestens einer Woche ziehen müssen. Hab ich aber nicht geschafft. Aber hier ein kleiner Tipp für alle, die ebenfalls etwas spät dran sind: Unmengen an Butter! Ja, genau. Soviel, dass man denkt, da passt nix mehr rauf, da geht nix mehr rein. Wenn die Butter nicht mehr in den Stollen einzieht weil der randvoll ist bis oben hin und schon nicht mehr kann, dann ist es genau richtig. Und dann ist der Stollen schon nach einer Woche genießbar, saftig und wunderbar aromatisch. Also, dann mal hopp – noch 6 Tage! Sichert euch schonmal die Buttervorräte der umliegenden Supermärkte und ab in die Küche!

Für einen großen Stollen braucht ihr:

50g Mandelstifte
500g Rosinen
wer mag: je 50g Orangeat und Zitronat
400g Mehl
125ml Milch
1 Würfel frische Hefe
3 EL Honig
700g Butter
1 TL Salz
100 Marzipanrohmasse
1 Vanilleschote
1 Zitrone
150g Puderzucker

Die Mandelstifte mit kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten stehen lassen. Rosinen (und Orangeat und Zitronat) vermischen. Mandeln abgießen und mit den Früchten vermengen.
200g Mehl, lauwarme Milch, zerbröckelte Hefe und Honig zu einem Vorteil verrühren. Diesen mit Mehl bestäuben und an einem warmen Ort gehen lassen bis die Oberfläche aufreißt.
Das restliche Mehl, 200g Butter in kleinen Stücken, Salz, geriebenes Marzipan, ausgekratztes Vanillemark, abgeriebene Zitronenschale, Früchte und den Vorteig mit der Küchenmaschine oder mit den Händen ca. 8 Minuten verkneten. Zugedeckt an einem warmen Ort für eine Stunde gehen lassen, bis er sich verdoppelt hat.
Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche durchkneten und auf ein Backblech geben. Zu einem Rechteck auseinander drücken und eine Längsseite zur Hälfte überklappen. Den Stollen zugedeckt über Nacht kalt stellen.
Am nächsten Tag den Ofen auf 200 Grad vorheizen, den Stollen 15 Minuten backen. Die Temperatur auf 180 Grad herunterschalten und den Stollen für 45 Minuten weiterbacken. Eventuell die letzten 20 Minuten mit Backpapier abdecken damit er nicht zu dunkel wird.
Die restliche Butter schmelzen und den Stollen sofort damit bestreichen wenn er aus dem Ofen kommt. Puderzucker darüber sieben und auskühlen lassen. Den fertigen Stollen in Alufolie einwickeln und bis zum 1. Advent stehen lassen. Öffnen, mit viiiiiiiiiiiiiel Puderzucker bestäuben, Kakao dazu und fertig!

*Hohoho & Mohltied*

PS. Ich habe in diesem Jahr einen Marzipanstollen daraus gemacht. Dafür einfach eine Packung Marzipan mehr kaufen, mit Kirschwasser oder Apfelsaft verkneten, zu einer Rolle formen und auf die rohe Teigplatte legen, bevor diese zusammengeklappt wird.

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Mit der Perle Nummer 5 vergraben wir uns im Küchenhimmel bzw. im Küchentempel: der Cucinaria. Hier würde ich mich am liebsten nach Ladenschluss für eine Nacht einschließen lassen – so viele tolle Dinge gibt es zu entdecken. Wobei – bei den vielen Kochbüchern, die sie auch noch anbieten – reicht eine Nacht?!???

Cucinaria
Wann immer ich neue Inspiration für die Küche brauche, besuche ich die Cucinaria – ein wahrer Küchentempel! Neben allerlei Küchenutensilien (vom Handtuch über wirklich anständige Messer bis zum Backofen), gibt es hier Kochbücher und im ersten Stock die dazugehörige Küche (Vorsicht: hektische, rote Flecken nicht ausgeschlossen. Dazu Schnappatmung und der Drang sofort in eine größere Wohnung zu ziehen um diese dann mindestens zur Hälfte mit der Küche zu belegen). Ebenfalls sehr zu empfehlen: die Kochschule – hier wird nicht nur gekocht, sondern es gibt auch Espresso- und Messerschleifseminare.
Für jeden, der in der Zubereitung von Essen seinen Frieden findet, ist diese Adresse (Straßenbahnring 12) ein absolutes Muss! Und sagt mir Bescheid wenn ihr hinfahrt… vielleicht treffen wir uns da…?

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